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Defense Advanced Research Projects Agency

Die Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) ist eine Behörde des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten, die Forschungs-Projekte für die Streitkräfte der Vereinigten Staaten durchführt, u. a. auch Weltraumprojekte. Ihr jährliches Budget beträgt etwa 3 Milliarden Dollar (Stand 2004).

Ursprünglich wurde sie unter dem Namen ARPA am 7. Februar 1958[1] von Dwight D. Eisenhower gegründet. Seit 1996 heißt sie wie bereits zwischen 1972 und 1993 DARPA. Dazwischen trug sie noch einmal für drei Jahre den Namen ARPA.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 4. Oktober 1957 startete die Sowjetunion den Satelliten Sputnik. Dieses Ereignis löste in den USA den so genannten Sputnik-Schock aus. Die Anstrengungen für die Entwicklung von Militär- und Raumfahrttechnologien wurden intensiviert. Auch die Advanced Research Project Agency (ARPA) kann als Resultat des Sputnik-Schocks angesehen werden. Die Organisation fungierte als Koordinationsinstanz für Forschungsprojekte, denen finanzielle Unterstützung zugedacht wurde.

DARPA unterhielt keine eigenen Forschungseinrichtungen, sondern nutzte hierzu das Potential der universitären und militärischen Forschungseinrichtungen. Auch wenn die Projekte durch das Militär gefördert wurden, war ein weiterer Aspekt der technologischen Forschung außerhalb der militärischen Nutzbarkeit auch die wirtschaftliche Verwertbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse. Projekte, die durch die ARPA gefördert oder initiiert wurden, unterlagen i. d. R. keiner strengen Geheimhaltung, sondern wurden von den Forschern, den beteiligten Forschungseinrichtungen und Unternehmen öffentlich publiziert und auf Kongressen vorgestellt. Zu den erfolgreichen Projekten zählen u. a. BSD-Unix und TCP/IP.

Als bekanntestes und erfolgreichstes Projekt kann das ARPANET angesehen werden, aus welchem das heutige Internet hervorging. 1969 verband das ARPANET die vier Rechnerknoten University of California Los Angeles, Stanford Research Institute, University of California Santa Barbara und die University of Utah. Außerdem wurden die Tarnkappentechnologie (Have Blue/F-117 ) und das GPS von der DARPA entwickelt.

Gegenwärtige Tätigkeitsbereiche

Heute widmet sich die DARPA vorrangig der Terrorismusbekämpfung. In diesem Zusammenhang wurde beispielsweise das sehr umstrittene Information Awareness Office von der DARPA gegründet.

2003 rief die DARPA Forscher im Bereich Maschinelle Übersetzung zu einem „Blind“-Wettbewerb auf. Sie sollten innerhalb eines Monats ein Übersetzungssystem von einer fremden Sprache nach Englisch entwickeln. „Blind“ heißt, dass den Forschern erst am Starttag des Wettbewerbs mitgeteilt wurde, um welche Ausgangssprache es sich handelte, so dass sie gezwungen waren, Methoden vorzubereiten, die möglichst jede Sprache verarbeiten könnten. Das Ziel war, für die Sprachen der kaum vorhersehbaren Konfliktherde (z. B. Afghanistan, Irak) möglichst schnell Übersetzungssysteme bereitstellen zu können, ohne die üblichen mehrere Jahre an Forschung und Entwicklung. Blindsprache war schließlich Hindi; der Wettbewerb wurde von dem Deutschen Franz-Josef Och mit einem Statistisch-Basierten Übersetzungssystem gewonnen.

2004/2005 fand die DARPA Grand Challenge statt, bei der autonome Landfahrzeuge gegeneinander konkurrierten.

Military Bioengeneering & Human Enhancing

Military Bioengeneering ist der Name eines Forschungszweigs, der vor kurzem auf einer Konferenz in Washington D.C. ausführlich diskutiert wurde. Das Ziel heißt «Human Enhancing», Soldaten sollen mit Hilfe von Drogen, Genen und Mikrochips schneller, härter und kampffähiger werden - ein Motto, dem sich die Darpa mit viel Geld und Know-How widmet.


Eines der aktuellen Darpa-Programme beschäftigt[2] sich daher damit, Menschen für Schmerz unempfindlich zu machen, so schnell wie möglich Blutungen zu stoppen und Wunden zu schließen. Dabei geht es nicht um Heilung, sondern um Kampffähigkeit: Mit abgerissenem Arm und Kugel im Bauch sollen die Soldaten weiterstürmen können, weil sie nichts davon spüren.

Um den Kampfstress und dessen psychologische Folgen besser zu verkraften, wird – nicht von der Darpa, aber von anderen durch das Pentagon beauftragte Forschungszentren – nach Substanzen gesucht, die den «Shell Shock» verhindern oder mindern. So ist Acetylcholinesterase (AChE) ein Enzym, welches bei der Entwicklung des Posttraumatischen-Stress-Syndroms eine Rolle spielt und dessen Kontrolle Soldaten nicht nur im Gefecht stabiler und handlungsfähiger machen würde; sie bräuchten anschließend auch nicht so intensive Betreuung.[3]

Continuous Assisted Performance

Ein Programm mit dem Titel «Continuous Assisted Performance» will «mit biotechnologischen Mitteln (Implantaten, Manipulation des Stoffwechsels, etc.)» erreichen, dass Soldaten bis zu sieben Tage lang wach bleiben können, ohne dabei den Verstand zu verlieren.[4] [5]

Erste, vergleichsweise harmlose Versuche macht die amerikanische Luftwaffe seit Jahren und verordnet ihren Piloten die Einnahme von Dexedrin (Amphetamin). Auf solchen medikamentösen oder auch genetischen Wegen sollen künftig auch Muskel- und Ausdauerkraft der Soldaten erhöht werden – «Metabolic Dominance and Engeneered Tissue» heißt das Projekt.[6]

Da die häufige Einnahme von Amphetamin jedoch gesundheitsschädlich ist, sucht die Darpa im Rahmen des Continuous Assisted Performance-Programms nach Alternativen.

In diesem Zusammenhang tauchen immer wieder Berichte über eine enge Kooperation mit dem US-Pharmahersteller Cephalon auf. Cephalon produziert unter anderem das Medikament Provigil (in Deutschland unter dem Namen Vigil erhältlich). Provogil (Wirkstoff: Modafinil) ist ein hochpotentes Aufputschmittel und gehört zu einer Gruppe psychostimulierender Medikamente, die sich in der Molekülstruktur von den Amphetamin-artigen Stimulanzien deutlich unterscheidet.

Die Darpa und Cephalon "sponsorten" der Harvard Universität erst kürzlich eine Studie, in der 16 gesunde Probanden 28 Stunden ohne Schlaf auskommen mussten. Die Personen mit Modafinilbeigabe schnitten in den kognitiven Tests besser ab als die mit Zucker-Placebo. Weltweit waren die Generäle begeistert.[7]

Brain Machine Interfaces

Noch viel weiter geht ein Programm, für das der Darpa zurzeit 24 Millionen Dollar zur Verfügung stehen. Ziel von «Brain Machine Interfaces» (Hirn-Maschine-Schnittstellen) ist es, aus menschlichen Gehirnen Informationen zu gewinnen, die für Computer verwertbar sind – Chips im Kopf sollen Panzer oder Hubschrauber oder auch den Soldaten steuern, dem sie implantiert wurden.[8]

In einer Rede, die der damit beschäftigte Darpa-Forscher Eric Eisenstadt im vergangenen Jahr hielt, sagte er: «Stellen Sie sich eine Zeit vor, in der Soldaten allein mittels Gedanken kommunizieren, stellen sie sich eine Zeit vor, in der menschliche Gehirne ihre eigenen drahtlosen Modems besitzen – statt auf der Basis von Gedanken zu handeln, haben Kampfflugzeuge dann Gedanken, die handeln.»[9]


Ultraperformance Nanophotonic Intrachip Communication

Anfang Februar 2008 hat die Darpa die amerikanische Softwarefirma Sun mit der Forschung an neuen optischen Chip-Verbindungen beauftragt. Dafür stellt die DARPA Sun 44,29 Millionen US-Dollar zur Verfügung.

Suns Forschungsauftrag ist Teil des DARPA-Projekts "Ultraperformance Nanophotonic Intrachip Communication" und beschäftigt sich mit den optischen Netzwerken, um Chips miteinander zu verbinden. Das Ziel: der Bau von Supercomputern mit sehr billigen Prozessoren, die über optische Netze miteinander verbunden sind und so sehr gut skalieren.Die optischen Verbindungen sollen dabei für hohen Datendurchsatz bei geringen Latenzen sorgen.

Dabei kooperiert Sun mit Proximity Communication, deren I/O-Technik zur Verbindung von Chips miteinander zum Einsatz kommt. Damit sollen so genannte virtuelle "Macrochips" entstehen - ein große Zahl an einzelnen Chips, die gegenüber dem System wie ein einzelner sehr großer Chip arbeiten.[10]

Literatur

Siehe auch

Weblinks

Quellen

  1. http://www.darpa.mil/body/arpa_darpa.html
  2. http://www.darpa.mil/darpatech2002/presentations/dso_pdf/slides/bielitzkidso_v4.pdf
  3. http://www.netzeitung.de/wissenschaft/253228.html
  4. http://www.netzeitung.de/wissenschaft/253228.html
  5. http://www.zeit.de/2003/35/M-Modafinil?page=1
  6. http://www.netzeitung.de/wissenschaft/253228.html
  7. http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26412/1.html
  8. http://www.netzeitung.de/wissenschaft/253228.html
  9. http://www.darpa.mil/DARPATech2002/presentations/dso_pdf/speeches/EISENSTADT.pdf
  10. http://www.golem.de/0803/58551.html